Video Vortrag von Prof. Grünberger April 2011 (Englisch):

»Defining resectability and the value of targeted agents in the neoadjuvant treatment of colorectal liver metastases



Die Leber

Die Leber in ihre 8 Segmente unterteilt

Die menschliche Leber liegt unterhalb des Zwerchfells im rechten Oberbauch und wiegt etwa 1500 bis 2000g. Die Leber lässt sich in zwei große Leberlappen unterteilen, den größeren rechten und den linken Leberlappen. Weiters wird die Leber in achte Segmente unterteilt.


Dieses Organ hat eine doppelte Blutversorgung: die Leber wird zu ca. 25% mit sauerstoffreichem Blut aus der Leberarterie (A. hepatica) versorgt (transportiert das Blut vom Herzen in die Leber) und zu ca. 75% aus der Pfortader, die Nahrungsbestandteile von Magen und Darm sowie Hormone der Bauchspeicheldrüse in die Leber transportiert, versorgt.

Die Leber ist das einzige Organ, welches, nachdem ein Teil entfernt worden ist, wieder nachwachsen kann. Man kann bis zu 70% einer Leber entfernen, wenn die verbleibende Restleber gesund ist.

Lebermetastasen

Abb: Darstellung einer operablen Lebermetastase in einer Computertomographie

operablen Lebermetastase in einer Computertomographie

Lebermetastasen sind Tumorabsiedelungen von bösartigen (malignen) Tumoren aus anderen Geweben. Ein anderes Wort für Lebermetastasen sind Lebersekundaria oder Leberfiliae. Das deutsche Wort ist Tochtergeschwulst einer Krebserkrankung in der Leber. Lebermetastasen sind also nicht primär in der Leber entstanden (siehe Segment Leberkrebs). Lebermetastasen sind somit Tumorzellverbände aus anderen Geweben, die in der Leber "hängen bleiben" und dort weiter wachsen. Unterschiedliche Tumore können Lebermetastasen verursachen, vor allem aber die Tumore des Pfortadersystems wie der Darmkrebs, der Magenkrebs und auch der Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreaskarzinom). Aber auch bei Lungen−, Brust−, Nierenzell− und Speiseröhrenkrebs lassen sich Lebermetastasen nachweisen.

Symptome:

Typische Symptome treten leider erst sehr spät auf. Frühsymptome sind eher unspezifisch und können Gewichtsabnahme, Appetitlosigkeit, Nachtschweiß und Fieber sein. Im fortgeschrittenen Stadium kann es zu Schmerzen im rechten Oberbauch, Magen−Darmbeschwerden und auch zur Gelbsucht (Ikterus) kommen. Insofern ist es sehr wichtig, regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen bei einer bösartigen Erkrankung durchführen zu lassen, um Metastasen frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig behandeln zu können.

Diagnose

Die Diagnose erfolgt mittels bildgebender Verfahren. Dazu zählen der Ultraschall, die Computertomographie oder die Magnetresonanztomographie. Manchmal müssen auch zwei oder alle 3 Untersuchungen durchgeführt werden, um eine sichere Diagnose zu erhalten. Die genaue Lokalisation der Metastasen ist maßgeblich für die Therapieentscheidung.
Wenn der Ursprungstumor nicht bekannt ist, sondern die Leberherde der erste Hinweis auf eine bösartige Erkrankung sind, müssen verschiedene weitere Untersuchungen stattfinden. Manchmal lässt sich im Rahmen der Bildgebung ein Primärtumor darstellen. Falls auch die sogenannten Tumormarker im Blut keinen Hinweis auf den Ursprungstumor geben, kann eine Leberbiopsie (Gewebeprobe der Lebermetastase) entnommen und untersucht werden. Dies wird unter lokaler Betäubung durchgeführt.

Therapie:

Die Therapie hängt von mehreren Faktoren ab. Dazu zählt, welches ursprüngliche Organ vom Krebs befallen war (z.B. werden Lebermetastasen vom Dickdarmkrebs in der Regel anders behandelt als vom Lungenkrebs). Weiters ist die Lokalisation der Metastase/n entscheidend, sowie der Allgemeinzustand des Patienten und seine Begleiterkrankungen. Wir unterscheiden grob zwei Therapieansätze: die kurative Therapie verfolgt das Ziel der Heilung, eine palliative Behandlung hingegen versucht die Erkrankung hinauszuzögern, die Beschwerden zu lindern und gleichzeitig die Lebensqualität des Erkrankten zu verbessern.

Abb: Magnetresonanz der Leber: Unterscheidung zwischen Metastasen (rot) und Zyste (gutartiger Lebertumor, weiss)

Magnetresonanz der Leber: Unterscheidung zwischen Metastasen (rot) und Zyste (gutartiger Lebertumor, weiss)

Die einzig kurative Therapieoption stellt die chirurgische Entfernung der Lebermetastasen dar, wobei diese durch eine zusätzliche Chemotherapie in den letzten Jahren eine Erhöhung der Chancen auf längerfristige Heilung erfahren hat. Bei primärem Unvermögen der kompletten Entfernung der Metastasen kann versucht werden, durch Chemotherapie die Herde zu verkleinern um danach eine Leberoperation zu ermöglichen. Ist die komplette Entfernung nicht möglich stehen Chemotherapie, Immuntherapie und lokale Therapieverfahren wie die Thermoablation oder die Strahlentherapie zur Verfügung. Genauer wird auf diese Therapieoptionen im Segment "Therapien" eingegangen.

Prognose:

Lebermetastasen sind Zeichen einer fortgeschrittenen Krebserkrankung. Die Prognose hängt sowohl vom Ursprungstumor ab, aber auch von der Lokalisation und Anzahl der Metastasen. Wenn Metastasen entweder schon primär resektabel waren (durch eine Leberoperation zu entfernen) oder aber auch durch Chemotherapie kleiner geworden sind und dadurch eine Operation möglich wurde ist die Prognose besser als bei einem ausgedehnten Befall, bei dem eine Operation ausgeschlossen ist.

Valid XHTML 1.0 Transitional